Klonen ist die Kunst, aus einer bewährten Mutterpflanze identische Kopien zu ziehen. Kein Samenkauf, kein Geschlechtsrisiko – und immer dasselbe bewährte Profil.
Wer eine außergewöhnlich gute Cannabispflanze gefunden hat – perfektes Aroma, starke Wirkung, gutes Wachstum – möchte diese Genetik erhalten. Der einzige Weg: klonen. Mit Stecklingen lassen sich unbegrenzt genetisch identische Pflanzen ziehen, solange eine gesunde Mutterpflanze vorhanden ist.
## Was ist Klonen?
Klonen bedeutet, einen Trieb von einer Mutterpflanze abzuschneiden, ihn zum Bewurzeln zu bringen und als neue Pflanze aufzuziehen. Das Ergebnis ist genetisch exakt identisch mit der Mutterpflanze – dasselbe Cannabinoid- und Terpenprofil, dasselbe Wuchsverhalten, dasselbe Geschlecht (immer weiblich, wenn die Mutterpflanze weiblich ist).
Vorteile gegenüber Samen: - Kein Risiko männlicher Pflanzen - Bekanntes Qualitätsprofil - Zeitersparnis (keine Keimphase) - Kostengünstig im laufenden Betrieb
Nachteile: - Setzt eine vorhandene Mutterpflanze voraus - Stecklinge können Krankheiten der Mutterpflanze übertragen - Klone von sehr alten Mutterpflanzen können schwächer sein
## Die Mutterpflanze: Fundament des Klonprogramms
Nicht jede Pflanze eignet sich als Mutterpflanze. Ideale Eigenschaften:
- Gesund und kräftig, ohne Anzeichen von Krankheit oder Schädlingsbefall - Bewährt in Wirkungsprofil und Ertrag - Mindestens 8 Wochen alt (jüngere Pflanzen liefern schwieriger bewurzelnde Stecklinge) - In der vegetativen Phase gehalten (12+ Stunden Licht täglich)
Eine Mutterpflanze kann jahrelang in der vegetativen Phase gehalten werden, wenn sie ausreichend Licht und Nährstoffe bekommt. Sie wird regelmäßig zurückgeschnitten, um immer neue Triebe für Stecklinge zu liefern.
## Schritt-für-Schritt: Stecklinge nehmen
Material: - Scharfe, sterile Schere oder Skalpell (mit Isopropanol desinfizieren) - Bewurzelungsmedium: Steinwollwürfel, Jiffy-Pellets oder Kokos-Anzuchtwürfel - Bewurzelungshormon (Gel oder Pulver, z.B. Clonex) - Klonbox oder Propagator mit Abdeckung - Sprühflasche mit Wasser (pH 6,0–6,5)
Ablauf: 1. Einen gesunden Seitentrieb der Mutterpflanze identifizieren (5–15 cm lang, 2–3 Nodien) 2. Schrägen Schnitt (45°) direkt unter einem Nodium mit steriler Schere 3. Alle unteren Blätter entfernen, die ins Substrat kommen würden 4. Stecklingsende sofort in Bewurzelungsgel tauchen 5. In vorbereitetes, feuchtes Bewurzelungsmedium stecken 6. Unter Abdeckung bei 22–26 °C und 80–95 % rF stellen 7. 2× täglich mit klarem Wasser besprühen – nicht gießen
Bewurzelung: Nach 7–14 Tagen erscheinen weiße Wurzeln am Stecklingsende (bei Steinwolle oft durch den Würfel sichtbar). Dann kann der Klon in das normale Substrat umgetopft werden.
## Häufige Fehler beim Klonen
Stress durch Trocknung: Stecklinge haben noch keine Wurzeln und nehmen Wasser ausschließlich über die Blätter auf. Hohe Luftfeuchtigkeit (80–95 %) ist deshalb essenziell. Die Abdeckung schützt vor Austrocknung.
Stecklinge zu groß: Kleinere Stecklinge (5–8 cm) bewurzeln oft schneller als große.
Unsteriles Werkzeug: Infektionen durch verunreinigte Scheren können die Stecklinge töten. Immer desinfizieren.
Falsches Substrat: Stecklinge brauchen ein leicht saures, feuchtes (nicht nasses) Medium. Reguläres Blumenerde ist oft zu nährstoffreich und hemmt die Bewurzelung.
## Klonen im Kontext des KCanG
Das KCanG erlaubt Privatpersonen den Eigenanbau von maximal drei weiblichen blühenden Pflanzen. Stecklinge in der vegetativen Phase werden nicht gegen diese Grenze gezählt – aber wer mehr als drei blühende Pflanzen hat, handelt außerhalb des Erlaubten. Für Anbauvereinigungen gelten separate Regeln.
Über diesen Artikel
Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid
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