Autoflowering-Sorten blühen unabhängig vom Lichtzyklus – dank Cannabis-ruderalis-Genetik. Für Einsteiger und CSC-Anbauprojekte ein interessanter Ansatz mit spezifischen Anforderungen.
Autoflowering-Sorten haben die Cannabiszucht revolutioniert. Statt auf Lichtsignale zu warten, beginnen sie nach einer genetisch festgelegten Zeitspanne automatisch zu blühen – unabhängig davon, ob die Tage kürzer werden. Das macht sie besonders interessant für Einsteiger, den Outdoor-Anbau und Szenarien, in denen mehrere Ernten pro Jahr geplant sind.
## Cannabis Ruderalis: Die genetische Basis
Die Fähigkeit zur automatischen Blüte stammt aus Cannabis ruderalis, einer Unterart aus Zentralasien und Sibirien. Ruderalis-Pflanzen mussten sich in einem Klima mit kurzen Sommern und unberechenbarer Tageslänge durchsetzen – die Lösung der Evolution war, die Blüte an das Alter der Pflanze statt an die Lichtdauer zu koppeln.
Modernes Autoflowering-Saatgut ist das Ergebnis jahrelanger Kreuzungen zwischen Ruderalis und leistungsstarken Indica- oder Sativa-Sorten. Die frühen Autos der 2000er und frühen 2010er Jahre hatten noch niedrigen THC-Gehalt und bescheidene Erträge. Die Sorten der dritten und vierten Generation, die heute auf dem Markt sind, haben diesen Rückstand weitgehend aufgeholt.
## Zeitlicher Ablauf: Seed to Harvest in 60–80 Tagen
Der wichtigste praktische Vorteil von Autoflowering-Sorten ist die kurze Gesamtdauer. Während photoperiodische Sorten 3–4 Monate brauchen (Veg + Blüte), schließt eine Autoflowering-Sorte ihren Zyklus in der Regel in 60–80 Tagen vom Samen bis zur Ernte ab.
Woche 1–2: Keimung und Sämlingsstadium. Die Wurzel entwickelt sich, die ersten echten Blätter erscheinen. Sensibler Abschnitt – keine Überdüngung.
Woche 3–4: Vegetative Phase. Die Pflanze wächst schnell. Erste Blütenansätze können bereits in Woche 3–4 sichtbar werden, ohne dass der Lichtzyklus geändert wird.
Woche 5–9: Blüte. Die Pflanze konzentriert alle Energie auf die Blütenentwicklung. Trichomproduktion nimmt zu, Geruch intensiviert sich.
Woche 8–10: Ernte (sortenabhängig). Trichomkontrolle wie bei photoperiodischen Sorten entscheidet über den genauen Zeitpunkt.
## Lichtzyklus: 18/6 oder 20/4 als Standard
Da Autoflowering-Sorten kein 12/12-Signal brauchen, kann der Lichtzyklus während des gesamten Lebenszyklus konstant gehalten werden. Die meisten Grower wählen zwischen:
18 Stunden Licht / 6 Stunden Dunkel: Die häufigste Einstellung. Gutes Wachstum, moderate Stromkosten, ähnelt dem natürlichen Sommertag.
20/4 oder sogar 24/0: Autos können auch unter konstantem Licht wachsen. 20/4 gilt als guter Kompromiss zwischen maximaler Lichtmenge und kurzer Erholungsphase für die Pflanze.
## Substrat und Nährstoffe: Leichter als bei Photoperiodischen
Autoflowering-Pflanzen sind kleiner und wachsen schneller – das bedeutet, sie benötigen ein leichteres, weniger nährstoffreiches Substrat als ihre photoperiodischen Verwandten. Zu viele Nährstoffe in frühen Stadien können die Entwicklung hemmen.
Empfohlene Mischung: 70 % lockeres Blumenerde-Qualitätssubstrat + 30 % Perlite. Dies sorgt für gute Drainage und ausreichend Sauerstoff an der Wurzel.
Nährstoffdosierung: Beginne mit halber Empfehlungsdosis und erhöhe vorsichtig nach Bedarf. Autos reagieren empfindlicher auf Überdüngung als große Photoperiodische.
Topfgröße: 7–11 Liter sind für die meisten Autoflowering-Sorten ausreichend. Da Autos nur einmal umgetopft werden sollten (oder besser gar nicht), direkt in den Endtopf setzen.
## Erträge und Qualität: Aufgeholt, aber noch Unterschiede
Moderne Autoflowering-Sorten können unter optimalen Bedingungen 80–150 Gramm pro Pflanze erreichen. Leistungsstarke Sorten wie Wedding Cake Auto, Gorilla Glue Auto oder Bruce Banner Auto liefern Werte, die mit guten Photoperiodischen konkurrieren.
Der THC-Gehalt liegt bei hochwertigen Autos heute bei 20–25 %, vereinzelt darüber. Das Terpenprofil ist ebenfalls deutlich besser geworden. Dennoch: Unter gleichen Bedingungen produzieren Photoperiodische in der Regel mehr Gesamtertrag, da sie länger in der vegetativen Phase gehalten werden können.
## Outdoor: Mehrfachernte in einer Saison
Für den Außenanbau sind Autoflowering-Sorten eine besondere Option. In Deutschland ermöglicht die kurze Kulturdauer von 60–80 Tagen theoretisch bis zu zwei Ernten zwischen Mai und Oktober – vorausgesetzt, die Temperaturen stimmen.
Praktischer Ablauf Outdoor (Deutschland): - Erste Aussaat: Mitte Mai (nach letzten Frösten) - Erste Ernte: Mitte Juli bis Anfang August - Zweite Aussaat: Anfang Juli - Zweite Ernte: Mitte September
Der Outdoor-Anbau von bis zu drei weiblichen Pflanzen ist nach dem KCanG für Volljährige erlaubt – Autoflowering-Sorten eignen sich dafür gut, da keine Lichtsteuerung nötig ist.
## Häufige Fehler mit Autos
Umtopfen: Autos haben eine feste Zeitplan. Jeder Stress durch Umtopfen kostet Entwicklungszeit, die nicht aufgeholt werden kann. Direkt in den Endtopf säen oder keimen lassen.
Zu viel Dünger: Besonders in den ersten drei Wochen. Autos starten in der Regel mit dem, was das Substrat liefert – externe Nährstoffgaben erst ab Woche 3–4.
Zu kleiner Topf: Wurzelbeschränkung limitiert das Wachstum direkt. Mindestens 7 Liter, für große Sorten 11–15 Liter.
Zu wenig Licht: Autos sind keine Wundermittel bei schlechten Lichtbedingungen. 400–600 µmol/m²/s PPFD ist das Minimum für ordentliche Ergebnisse.
Über diesen Artikel
Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid
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