Durch Pflanzenerziehungsmethoden wie SOG, LST, Topping und FIM lässt sich der Ertrag pro Quadratmeter deutlich steigern. Eine Übersicht der wichtigsten Techniken mit Vor- und Nachteilen.
Unbehandelte Cannabispflanzen wachsen natürlich als Weihnachtsbaum-Form: ein dominanter Haupttrieb mit vielen kleinen Seitentrieben. Das Ergebnis: Ein großes, dichtes Köpfchen oben – und viele kleine, lichtarme Blüten unten. Pflanzenerziehungsmethoden brechen diese natürliche Struktur auf und sorgen dafür, dass alle Triebe ähnlich viel Licht bekommen.
## Low Stress Training (LST): Sanftes Biegen
LST ist die einsteigerfreundlichste Methode. Dabei werden die Triebe mit Drähten, Kabelbindern oder Klammern vorsichtig in die horizontale gebogen – ohne Schnitte.
Prinzip: Wenn der Haupttrieb horizontal gebogen wird, wachsen die seitlichen Triebe nach oben, da jede Wachstumsspitze versucht, Licht zu erreichen. Das Ergebnis ist eine breitere, flachere Pflanzenkrone mit mehreren gleichwertigen Haupttrieben.
Vorteil: Kein Stress durch Schnitte, kaum Heilungszeit, für Autoflowering geeignet (da die wenige Entwicklungszeit nicht durch Verletzungsstress verschwendet wird).
Nachteil: Regelmäßige Anpassungen nötig während des Wachstums; weniger drastische Ertragssteigerung als invasivere Methoden.
## Topping: Spitze abschneiden
Beim Topping wird der Haupttrieb über dem zweiten oder dritten Nodium (Blattansatz) abgeschnitten. Das Ergebnis: Aus einem Trieb werden zwei, die beide nach oben wachsen und als neue Haupttriebe fungieren.
Vorteil: Aus einer Pflanze mit einem Haupttrieb wird eine mit zwei – und durch wiederholtes Topping auch vier oder mehr.
Nachteil: Die Pflanze braucht 3–7 Tage Erholungszeit nach dem Schnitt. Für Autoflowering nicht empfohlen, da der Zeitverlust den Ertragsgewinn oft nicht kompensiert.
Idealer Zeitpunkt: Wenn die Pflanze 4–6 Nodien entwickelt hat, also in der vegetativen Phase nach etwa 3–4 Wochen.
## FIM (F* I Missed): Unvollständiges Topping
FIM ist eine Variante des Toppings, bei der die Spitze nicht vollständig, sondern nur zu etwa 75 % entfernt wird. Das Ergebnis: Statt zwei entstehen drei bis vier neue Triebe – mehr Ertragssteigerung, etwas weniger Stress als vollständiges Topping.
Vorteil: Mehr neue Triebe als beim klassischen Topping.
Nachteil: Weniger vorhersehbar – manchmal entsteht nur ein stärkerer Haupttrieb wie beim normalen Wachstum.
## Screen of Green (SCROG): Das Netz
SCROG kombiniert LST mit einem horizontalen Netz (Mesh), das über die Pflanzen gespannt wird. Triebe werden durch das Netz geführt und horizontal fixiert, bis das Netz gleichmäßig bedeckt ist. Dann beginnt die Blüte.
Vorteil: Maximale Lichtausnutzung auf der gesamten Anbaufläche; sehr gleichmäßige Ernte; hervorragend für wenige Pflanzen auf großer Fläche.
Nachteil: Zeitaufwendig; die Pflanze ist nach dem Aufstellen schwer zu bewegen; erfordert etwas Erfahrung.
Netz-Maschenweite: 5–10 cm Abstand, aus Schnur, Draht oder Nylon.
## Sea of Green (SOG): Viele kleine Pflanzen
SOG ist das Gegenteil von SCROG: Statt wenige, große Pflanzen intensiv zu trainieren, werden viele kleine Pflanzen ohne intensives Training früh in die Blüte gebracht.
Prinzip: 4–16 kleine Pflanzen pro Quadratmeter, alle gleichzeitig von der vegetativen in die Blütephase (12/12) nach nur 2–3 Wochen Veg. Jede Pflanze entwickelt ein bis zwei Hauptköpfchen.
Vorteil: Kürzere Gesamtdauer (da weniger Zeit in Veg); ideal für Sorten mit starkem vertikalen Wachstum.
Nachteil: Mehr Pflanzen = mehr Setzlinge oder Samen; kann bei gesetzlichen Pflanzenzahlobergrenzen problematisch sein (beachte das KCanG: 3 Pflanzen für Privatpersonen).
## Welche Methode für wen?
| Methode | Schwierigkeit | Stressgrad | Für Autos? | Ertragssteigerung | |---|---|---|---|---| | LST | Einfach | Niedrig | Ja | Mittel | | Topping | Mittel | Mittel | Nein | Hoch | | FIM | Mittel | Mittel | Nein | Hoch | | SCROG | Fortgeschritten | Niedrig | Möglich | Sehr hoch | | SOG | Fortgeschritten | Niedrig | Ja | Sehr hoch |
Empfehlung für Einsteiger: Mit LST beginnen. Es ist risikoarm, lernt viel über Pflanzenwachstum und gibt schon ordentliche Ertragssteigerungen.
Über diesen Artikel
Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid
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