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Prävention & Jugendschutz

Mit Freunden über Konsum sprechen: Ein Leitfaden zum Interventionsgespräch

Redaktion BlattWerk e.V.8 min LesezeitAktualisiert: 2026-06-17

Du machst dir Sorgen um jemanden, dessen Cannabiskonsum problematisch wirkt. Wie sprichst du das an, ohne die Beziehung zu gefährden? Konkrete Tipps für ein wirksames Gespräch.

Es ist schwer, jemandem zu sagen, dass man sich Sorgen um seinen Konsum macht. Zu groß die Angst, abgewiesen zu werden, zu dramatisieren oder die Freundschaft zu gefährden. Gleichzeitig kann das Schweigen die Situation verschlimmern. Dieser Artikel gibt dir konkrete Werkzeuge für ein Gespräch, das wirklich helfen kann.

## Wann ist ein Gespräch sinnvoll?

Bevor du das Gespräch suchst, lohnt sich eine ehrliche Selbstreflexion. Ist deine Sorge berechtigt? Anzeichen, die ein Gespräch nahelegen:

- Die Person verpasst zunehmend Termine, Schule, Arbeit oder wichtige Ereignisse - Die Stimmung und das Verhalten haben sich deutlich verändert - Die Person spricht kaum noch über Themen außer Cannabis - Freundschaften oder Familienbeziehungen leiden - Die Person konsumiert täglich oder mehrmals täglich - Geld- oder rechtliche Probleme im Zusammenhang mit Cannabis - Die Person selbst äußert Zweifel oder Wunsch aufzuhören, tut es aber nicht

Wichtig: Ein gelegentlicher Konsum oder Konsum, der keine Probleme verursacht, ist kein Grund für ein Gespräch. Betreffe dich nicht in die autonomen Entscheidungen anderer Erwachsener ein, wenn keine klaren Probleme sichtbar sind.

## Vorbereitung: Was du vorher klären solltest

Eigene Position reflektieren: Bist du selbst betroffen – z.B. weil das Verhalten dich belastet? Oder machst du dir primär Sorgen um die andere Person? Beides ist gültig, führt aber zu unterschiedlichen Gesprächseinstiegen.

Konkrete Beispiele sammeln: Vage Vorwürfe („Du kiffst zu viel") sind schwer zu bearbeiten. Konkrete Beobachtungen sind wirkungsvoller: „Ich habe gemerkt, dass du in den letzten Wochen dreimal nicht zur Verabredung erschienen bist", „Du wirkst in letzter Zeit häufig abwesend."

Realistisches Ziel setzen: Du kannst niemanden zwingen aufzuhören. Dein Ziel für das erste Gespräch ist: Sorge ausdrücken, Gesprächsbereitschaft signalisieren, vielleicht eine Reflexion anstoßen. Nicht mehr.

Richtigen Zeitpunkt wählen: Nicht direkt nach oder während des Konsums. In einem ruhigen Moment, wenn beide entspannt sind.

## Das Gespräch: Dos and Don'ts

### Was funktioniert (Dos)

„Ich"-Botschaften verwenden: Statt „Du kiffst zu viel" → „Ich mache mir Sorgen um dich, weil ich bemerkt habe, dass..." „Ich"-Botschaften werden weniger als Angriff erlebt und lösen weniger Abwehr aus.

Neugierig fragen statt anklagen: „Wie geht es dir gerade wirklich?" „Ich habe das Gefühl, du bist in letzter Zeit viel abwesend – stimmt das?" Echte Neugier öffnet Türen.

Zuhören ohne zu unterbrechen: Wenn die Person antwortet, lass sie ausreden. Auch wenn du anderer Meinung bist.

Sorge von Urteil trennen: „Ich sage dir das nicht, weil ich finde, dass du ein schlechter Mensch bist. Ich sage es dir, weil du mir wichtig bist."

Hilfe anbieten, nicht aufzwingen: „Wenn du mal reden möchtest oder Unterstützung brauchst, bin ich da." Angebote statt Forderungen.

### Was nicht funktioniert (Don'ts)

Moralische Verurteilung: Religiöse oder moralische Argumente gegen Cannabis-Konsum werden als Angriff erlebt und führen zu Abwehr.

Ultimaten beim ersten Gespräch: „Entweder du hörst auf oder ich breche den Kontakt ab" führt meist dazu, dass die Person abbricht – und ohne Unterstützung dasteht.

Gruppeninterventionen ohne Vorbereitung: Sogenannte Konfrontations-Interventionen (alle sitzen zusammen und sprechen die Person an) können gut funktionieren – aber nur mit professioneller Begleitung. Ohne das können sie die Person beschämen und in die Isolation treiben.

Das Gespräch im Streit suchen: In aufgeheizten Situationen ist niemand aufnahmebereit.

Inhalt trivialisieren: „Das ist doch nicht so schlimm" signalisiert, dass die Sorge keine Unterstützung wert ist.

## Wenn das Gespräch schwierig verläuft

Die Person weist deine Sorge zurück? Das ist häufig. Nicht jedes erste Gespräch führt sofort zu Einsicht. Bleib freundlich: „Ich verstehe, dass du das anders siehst. Mein Angebot gilt trotzdem."

Die Person wird aggressiv? Beende das Gespräch ruhig: „Ich merke, das ist gerade zu viel. Ich bin da, wenn du reden möchtest."

## Wenn du selbst überfordert bist

Manchmal ist die Situation zu schwer, um sie allein zu tragen – besonders wenn die Person dir sehr nahesteht. Dann ist professionelle Unterstützung für dich selbst angebracht:

- Angehörigenberatung: Viele Suchtberatungsstellen bieten spezifische Beratung für Angehörige an – auch ohne die betroffene Person - Al-Anon/Nar-Anon: Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchterkrankten - Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenlos, anonym, 24/7)

BlattWerk e.V. bietet Mitgliedern Gespräche mit der Suchtpräventionsbeauftragten an – auch vertrauliche Beratung für Menschen, die sich um jemanden sorgen.

Über diesen Artikel

Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid

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