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Prävention & Jugendschutz

Cannabis-Entzug: Was passiert, wenn man aufhört?

Redaktion BlattWerk e.V.8 min LesezeitAktualisiert: 2026-06-17

Regelmäßiger Cannabis-Konsum kann zu körperlicher Abhängigkeit führen. Was sind die Symptome des Cannabis-Entzugs, wie lange dauert er – und wie kommt man am besten durch diese Phase?

Cannabis-Entzug ist real. Lange wurde bestritten, dass Cannabis körperliche Abhängigkeit erzeugen kann – heute ist das Cannabis Withdrawal Syndrome (CWS) im DSM-5, dem internationalen Diagnosehandbuch für psychische Störungen, als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Was das bedeutet, wie sich ein Entzug anfühlt und wie man ihn gut überstehen kann, erklärt dieser Artikel.

## Wer ist betroffen?

Nicht jeder Cannabiskonsum führt zu Entzugssymptomen. Betroffen sind in erster Linie Menschen, die:

- Regelmäßig konsumieren: Täglicher oder nahezu täglicher Konsum über mindestens mehrere Wochen - Über längere Zeit konsumiert haben: Das Risiko steigt mit der Konsumhistorie - Potentes Cannabis verwendet haben: Höherer THC-Gehalt erhöht das Abhängigkeitsrisiko

Etwa 9–17 % aller Cannabis-Nutzer entwickeln laut Studien eine Abhängigkeit. Unter täglichen Nutzern liegt die Zahl deutlich höher – bei 25–50 %. Kein Widerspruch: Die meisten Gelegenheitskonsumenten entwickeln keine Abhängigkeit; bei regelmäßiger, intensiver Nutzung ist das Risiko aber erheblich.

## Symptome des Cannabis-Entzugs

Entzugssymptome treten typischerweise innerhalb von 24–72 Stunden nach dem letzten Konsum auf. Die häufigsten Symptome:

Psychisch/emotional: - Reizbarkeit, Aggressivität, Gereiztheit (häufigste Beschwerde) - Angst, Nervosität, innere Unruhe - Depressive Verstimmung, Niedergeschlagenheit - Starkes Verlangen nach Cannabis (Craving)

Körperlich: - Schlafstörungen: Einschlafschwierigkeiten, häufiges Aufwachen, intensive Träume / Albträume (durch Rückkehr des unterdrückten REM-Schlafs) - Appetitlosigkeit, Übelkeit - Kopfschmerzen - Schwitzen, Schüttelfrost - Leichte Zittrigkeit

Kognitiv: - Konzentrationsschwierigkeiten - Verlangsamtes Denken (verbessert sich nach 1–2 Wochen)

## Zeitlicher Verlauf

Tag 1–3: Symptome beginnen und nehmen zu. Häufig die schwerste Phase. Reizbarkeit, Schlafprobleme und Appetitlosigkeit sind am stärksten ausgeprägt.

Tag 4–7: Körperliche Symptome klingen langsam ab. Psychische Symptome (Angst, Reizbarkeit, Craving) bleiben stärker.

Woche 2–4: Deutliche Verbesserung der körperlichen Symptome. Schlaf normalisiert sich schrittweise. Stimmung und Antrieb können noch schwanken.

Woche 4–6: Bei den meisten Menschen klingen alle wesentlichen Entzugssymptome ab. Manchen berichten über länger anhaltende Schlafstörungen oder leichte emotionale Instabilität.

Wichtig: Cannabis-Entzug ist, anders als Alkohol- oder Opioidentzug, nicht lebensgefährlich. Krämpfe oder schwere körperliche Komplikationen treten nicht auf. Unangenehm – ja. Gefährlich – nein.

## Was hilft beim Cannabis-Entzug?

Körperliche Aktivität: Sport ist einer der wirksamsten "natürlichen" Gegenmittel gegen Entzugssymptome. Bewegung setzt Endorphine frei, verbessert Schlaf und Stimmung und lenkt ab.

Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, kein Bildschirm vor dem Schlafengehen, kühles Zimmer. Kräutertees (Baldrian, Kamille) können helfen.

Soziale Unterstützung: Die Entscheidung aufzuhören mit vertrauten Menschen teilen. Isolation verstärkt das Craving.

Auslöser meiden: Situationen, Orte und Personen meiden, die mit dem Cannabis-Konsum assoziiert sind – zumindest in der ersten Zeit.

Ernährung: Trotz Appetitlosigkeit regelmäßig essen. Viel Wasser trinken. Koffein und Alkohol sollten reduziert werden – beide können Angst und Schlafprobleme verstärken.

Professionelle Hilfe: Bei schweren Symptomen oder wenn Eigenbemühungen nicht funktionieren, ist Unterstützung durch eine Suchtberatungsstelle sinnvoll. Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist die am besten evaluierte Therapie für Cannabis Use Disorder.

## Das Problem des Rückfalls

Der Hauptgrund für Rückfälle ist die Entzugsangst – also die Angst, die durch den Entzug ausgelöst wird und die mit Cannabis "behandelt" werden kann. Wenn du weißt, dass diese Angst temporär und chemisch bedingt ist, kann das helfen, sie durchzustehen.

Rückfälle sind bei Suchterkrankungen statistisch normal – sie bedeuten nicht das Ende des Weges, sondern sind oft Teil des Prozesses. Wichtig ist, nach einem Rückfall nicht aufzugeben, sondern den Versuch fortzusetzen.

## Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Bei folgenden Zeichen solltest du professionelle Unterstützung suchen: - Schwere Depressionen oder Suizidgedanken - Schlaflosigkeit über mehr als 2 Wochen - Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen - Mehrfache Rückfälle trotz Eigenbemühungen

Unsere lokalen Beratungsangebote in Hildesheim findest du auf der Präventionsseite von BlattWerk e.V.

Über diesen Artikel

Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid

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