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Cannabis & Medizin

Cannabis für Krebspatienten: Übelkeit, Schmerz und Lebensqualität

Redaktion BlattWerk e.V.10 min LesezeitAktualisiert: 2026-06-17

Cannabis ist kein Krebsmittel – aber es kann Krebspatienten erheblich helfen: bei Übelkeit durch Chemotherapie, bei Schmerzen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Ein nüchterner Überblick.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an einen Arzt.

Eines der häufigsten Missverständnisse über Cannabis und Krebs muss gleich zu Beginn adressiert werden: Cannabis heilt keinen Krebs. Die im Internet kursierende Behauptung, Cannabis töte Krebszellen oder sei ein Heilmittel für Krebs, basiert auf präklinischen Zellkultur- und Tierversuchen, die bisher keine Entsprechung in kontrollierten klinischen Studien am Menschen gefunden haben.

Was Cannabis jedoch kann – und wofür es bei Krebspatienten zunehmend eingesetzt wird – ist die Linderung von Symptomen und Nebenwirkungen: Übelkeit, Schmerzen, Appetitlosigkeit, Angst und Schlafstörungen. In diesen Bereichen ist die Evidenz deutlich stärker.

## Antiemetische Wirkung: Cannabis gegen Chemotherapie-Übelkeit

Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV – Chemotherapy-Induced Nausea and Vomiting) gehören zu den belastendsten Nebenwirkungen der Krebstherapie. Für viele Patienten ist die Angst vor Übelkeit schlimmer als die Krebsdiagnose selbst.

Das Endocannabinoid-System spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Übelkeit und Erbrechen. CB1-Rezeptoren im Hirnstamm und im Darm sind direkt beteiligt. Das ist der Grund, warum synthetisches THC (Dronabinol) seit den 1980er Jahren zur Behandlung von CINV zugelassen ist.

Zugelassene Cannabis-basierte Medikamente: - Dronabinol (Marinol, Syndros): Synthetisches THC, seit 1985 von der FDA für CINV zugelassen. In Deutschland ist Dronabinol verschreibungsfähig. - Nabilon (Cesamet): Ein synthetisches THC-Analogon, ebenfalls für CINV zugelassen. - Nabiximols (Sativex): Ein THC/CBD-Spray, in Deutschland für Spastizität bei MS zugelassen, wird off-label auch bei Krebsschmerzen eingesetzt.

Evidenz: Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus 2015 (Tramèr et al.) analysierte 23 Studien mit über 1.300 Patienten. Das Ergebnis: Cannabinoide sind wirksamer als Placebo und vergleichbar mit herkömmlichen Antiemetika (Ondansetron, Metoclopramid), aber mit stärkerem Nebenwirkungsprofil. Für Patienten, die auf Standard-Antiemetika nicht ansprechen, sind Cannabinoide eine wichtige Option.

## Schmerzlinderung bei Krebspatienten

Krebsschmerzen sind oft ein Mix aus verschiedenen Schmerztypen: nozizeptiver Schmerz durch das Tumorwachstum, neuropathischer Schmerz durch Nervenschädigung (Tumor oder Chemotherapie), und entzündlicher Schmerz.

Cannabis zeigt besondere Stärken bei neuropathischen Schmerzen – einem Bereich, in dem Opioide oft weniger effektiv sind. Die Kombination aus THC und CBD (wie in Sativex) hat in Studien bei Krebsschmerzen Wirksamkeit gezeigt, die über Placebo hinausgeht.

Opioide sparen: Ein wichtiger Aspekt ist, dass Cannabis möglicherweise den Opioidbedarf reduzieren kann (Opioid-Sparing-Effekt). Eine 2011 publizierte Studie zeigte, dass THC/CBD-Spray die schmerzreduzierende Wirkung von Opioiden signifikant verstärkte und den Bedarf an Opioid-Dosiserhöhungen reduzierte.

## Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust (Kachexie)

Gewichtsverlust und Muskelabbau (Kachexie) sind bei Krebspatienten häufig und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und sogar die Prognose verschlechtern. THC ist bekannt dafür, den Appetit zu stimulieren ("Munchies") – über CB1-Rezeptoren im Hypothalamus.

Dronabinol ist in den USA für Anorexie bei AIDS-Patienten zugelassen und wird off-label bei Krebskachexie eingesetzt. Die Evidenz für eine Verbesserung des Gewichts ist allerdings gemischt – eine Verbesserung des subjektiven Appetits und der Lebensqualität ist besser belegt als tatsächlicher Gewichtsaufbau.

## Was BlattWerk Krebspatienten empfiehlt

Gespräch mit dem Onkologen suchen: Medizinisches Cannabis kann für Krebspatienten sinnvoll sein, sollte aber immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden. Wechselwirkungen mit Chemotherapeutika sind möglich.

Rezeptcannabis ist der sichere Weg: In Deutschland ist medizinisches Cannabis auf Rezept erhältlich und wird bei bestimmten Indikationen von der Krankenkasse übernommen. Das bietet Qualitätssicherung, definierte Dosierung und Arztbegleitung.

Keinen Heilungsversprechen glauben: Produkte, die Cannabis als Krebsheilmittel vermarkten, sind unseriös und könnten dazu führen, dass Patienten bewährte schulmedizinische Behandlungen ablehnen.

Palliative Anwendung: Im palliativen Kontext – wenn kurative Behandlung nicht mehr möglich ist – hat Cannabis einen klaren Platz als Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität.

Über diesen Artikel

Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid

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