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Anbau-Grundlagen

Klimasteuerung im Growroom: VPD, Temperatur und CO₂

Redaktion BlattWerk e.V.10 min LesezeitAktualisiert: 2026-06-17

Optimale Klimabedingungen sind der Schlüssel zu gesunden Pflanzen und hohem Ertrag. Vapor Pressure Deficit (VPD), Temperaturfenster, Luftfeuchtigkeit und CO₂-Einsatz im Überblick.

Licht bekommt im Cannabisanbau die meiste Aufmerksamkeit – dabei ist das Klima im Growroom mindestens genauso wichtig. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftzirkulation und CO₂-Konzentration beeinflussen direkt, wie effizient die Pflanze Photosynthese betreibt, wie gut sie Nährstoffe aufnimmt und wie hoch ihr Resistenz gegen Schädlinge und Pilze ist.

## Vapor Pressure Deficit (VPD): Das unterschätzte Konzept

VPD ist der entscheidende Parameter für optimales Pflanzenwachstum – wird aber von vielen Growern noch immer vernachlässigt. VPD beschreibt die Differenz zwischen dem Wasserdampfdruck, den die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann (Sättigungsdampfdruck), und dem tatsächlich vorhandenen Wasserdampfdruck.

Einfach gesagt: VPD misst, wie „durstig" die Luft ist. Hoher VPD bedeutet, die Luft ist trocken und saugt aggressiv Feuchtigkeit aus den Blättern. Niedriger VPD bedeutet, die Luft ist fast gesättigt und die Pflanze kann kaum noch transpirieren.

Warum VPD wichtig ist: Die Pflanze reguliert ihren Wasserhaushalt über die Stomata (Spaltöffnungen). Sind die Stomata offen, verdunsten Wasser und nehmen gleichzeitig CO₂ auf – Voraussetzung für Photosynthese. Zu hoher VPD zwingt die Stomata zum Schließen (Schutz vor Austrocknung). Zu niedriger VPD verlangsamt die Transpiration und damit die Nährstoffaufnahme.

Optimale VPD-Werte: - Sämlingsstadium: 0,4–0,8 kPa - Vegetative Phase: 0,8–1,2 kPa - Frühe Blüte: 1,0–1,5 kPa - Späte Blüte: 1,5–2,0 kPa

VPD-Tabellen (abhängig von Temperatur und rF) findest du online oder als Poster für den Growroom. Viele moderne Grow-Controller berechnen den VPD automatisch.

## Temperatur: Phasenbezogene Empfehlungen

Cannabis wächst in einem weiten Temperaturbereich, hat aber klare Präferenzen:

Vegetative Phase (Lichtphase): 22–28 °C ideal. Unterhalb von 18 °C verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Über 30 °C beginnt Hitzestress.

Blütephase (Lichtphase): 20–26 °C ideal. Niedrigere Temperaturen (20–22 °C) in der späten Blüte können die Terpenproduktion und Harzqualität verbessern. Temperaturen über 28 °C in der Blüte zerstören Terpene und können die Cannabinoidqualität beeinträchtigen.

Dunkelphase: Die Temperatur sollte 5–8 °C unter der Lichtphasentemperatur liegen – Tagestemperaturschwankungen von 5–10 °C sind normal und fördern das Wachstum, wenn sie kontrolliert verlaufen.

Wurzelzone: Wurzeln mögen es etwas kühler als die Blätter. 18–22 °C in der Wurzelzone ist optimal. Nasse, kalte Substrate verlangsamen die Nährstoffaufnahme erheblich.

## Relative Luftfeuchtigkeit (rF): Phase für Phase optimieren

Sämlingsstadium: 65–80 % rF. Sämlinge haben noch kein ausgereiftes Wurzelsystem und nehmen viel Feuchtigkeit über die Blätter auf. Hohe Luftfeuchtigkeit ist hier vorteilhaft.

Vegetative Phase: 50–70 % rF. Die Pflanze transpiriert aktiv und kann hohe Luftfeuchtigkeit gut verwerten.

Frühe Blüte: 40–60 % rF. Mit zunehmender Blütedichte steigt die Gefahr von Schimmel.

Späte Blüte: 35–45 % rF. In den letzten 2–3 Wochen vor der Ernte ist niedrige Luftfeuchtigkeit entscheidend, um Botrytis (Grauschimmel) in den dichten Blütenständen zu verhindern. Dies ist der häufigste Erntefehler: zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Reifephase.

Ausrüstung: Ein Entfeuchter ist in der Blütephase oft unverzichtbar, besonders in feuchteren Klimazonen oder bei großen Pflanzenbeständen. Günstige Entfeuchter mit 10–20 Liter/Tag Kapazität reichen für kleinere Growrooms aus.

## Luftzirkulation vs. Abluft: Zwei verschiedene Systeme

Luftzirkulation (intern): Ventilatoren, die Luft innerhalb des Growrooms bewegen. Sie stärken die Stämme (Thigmomorphogenese), verteilen CO₂ gleichmäßig, verhindern feuchte Totzonen und reduzieren Schimmelgefahr. Mindestens ein Oszillationsventilator pro Growroom ist Pflicht.

Abluft (extern): Aktivkohlefilter + Abluftventilator, der Luft aus dem Growroom nach außen führt. Geruchskontrolle, Temperaturreguliierung und CO₂-Erneuerung. Faustformel: Die Luft im Growroom sollte 1–3 Mal pro Minute ausgetauscht werden.

Berechnung der Lüfterleistung: Volumen des Growrooms (m³) × 60 × Faktor (1–3) = benötigte m³/Stunde. Für einen 2 m × 2 m × 2 m Growroom (8 m³): 8 × 60 × 2 = 960 m³/h als Ausgangspunkt.

## CO₂-Anreicherung: Nur für fortgeschrittene Setups

Pflanzen brauchen CO₂ für die Photosynthese. In der natürlichen Außenluft liegt der CO₂-Gehalt bei etwa 420 ppm. Durch CO₂-Anreicherung kann man die Konzentration auf 1.000–1.500 ppm erhöhen und damit das Pflanzenwachstum deutlich beschleunigen.

Wichtige Voraussetzungen für CO₂-Einsatz: 1. Die Beleuchtung muss leistungsstark genug sein (mindestens 800–1000 µmol/m²/s PPFD). Bei schwächerem Licht limitiert nicht das CO₂, sondern die Lichtenergie das Wachstum. 2. Temperaturen müssen erhöht werden (26–30 °C), da Pflanzen bei höherer Temperatur + CO₂ effizienter photosynthetisieren. 3. Das System muss abgedichtet sein – bei offener Lüftung verpufft das CO₂ sofort.

CO₂-Quellen: Flaschen mit Druckminderer und Controller, CO₂-Generatoren (verbrennen Propan/Butan), natürliche CO₂-Beutel (geringer Effekt).

Fazit CO₂: Für die meisten Hobby- und CSC-Setups ist CO₂-Anreicherung nicht notwendig. Optimiertes Klima, optimale Nährstoffe und optimales Licht haben einen größeren Effekt auf den Ertrag als CO₂.

## Monitoring: Hygrometer und Controller

Zuverlässige Messung ist die Grundlage für gutes Klimamanagement. Ein gutes digitales Thermo-Hygrometer (Kombination aus Thermometer und Feuchtigkeitsmesser) mit Min/Max-Aufzeichnung kostet 10–30 Euro und ist unverzichtbar.

Für größere Setups empfehlen sich Grow-Controller, die Temperatur, rF und VPD kontinuierlich messen und Lüfter, Entfeuchter und Heizung automatisch steuern. Marken wie Trolmaster, Inkbird oder Autopilot bieten zuverlässige Produkte im mittleren Preissegment.

Über diesen Artikel

Verfasst und geprüft von der Redaktion BlattWerk e.V. — lizenzierte Anbauvereinigung in Hildesheim. Unsere Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung, wissenschaftlichen Publikationen und unserer praktischen Erfahrung als Cannabis Social Club.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-17 · Hast du einen Fehler gefunden oder fehlt etwas? Sag uns Bescheid

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